Interview mit Natural Bodybuilder Eric Weidmann, Teil 1 : TRAINING

(Lesezeit: ~ 7 Minuten)

 

Hallo Eric. Schön, dass du da bist. Damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, verrat doch mal: Wer bist du?

Ich bin Eric Weidmann, 28 Jahre alt und bin Natural Bodybuilder, sprich, ich betreibe leistungsorientierten Muskelaufbau ohne illegale Substanzen, alles auf natürlicher Basis.

Zudem bin ich Fitnesstrainer und baue mir nebenher noch meinen YouTube-Channel auf. Hier dreht sich alles  um meine Kernthemen „Natural Bodybuilding, Motivation, Lifestyle“ und natürlich alles gepaart mit Humor & Entertainment! 

Du bist in der Pokemon-Ära groß geworden. Wenn du ein Pokémon sein könntest, welches wäre das? 

 

[lacht] Ich wäre auf jeden Fall Turtok, weil das ganz klar das krasseste Pokémon ist. Es ist einfach mächtig und massiv. Und massiv sein ist nunmal im Bodybuilding verankert.

Außerdem ist Wasser geil. Ich gehe vielleicht nicht jeden Tag schwimmen aber: Wasser ist essentiell - und nicht zu vergessen, Turtok kann die Hydropumpe!

 

Aber auch du hast mal als Schiggy angefangen. Wie sieht denn dein Training aus?

Alles hängt natürlich von deinem persönlichem Ziel ab.
Das Fundament ist, zu wissen, wo du hinwillst, die Systematik und Disziplin. Wenn irgendeins davon fehlt, kannst du es vergessen.  Wenn du aber weißt, was du willst und entsprechend an deinem Plan dranbleibst, dann ist der Erfolg auch nur eine Frage der Zeit.

Mein Training hat sich natürlich auch über die Jahre hin entwickelt, aber im Moment sieht es so aus, dass ich vier Mal die Woche trainiere. Dabei folge ich einen sogenannten Zweier-Split. Ich trainiere also Oberkörper und Unterkörper getrennt jeweils zweimal die Woche. Dazu kommt noch eine Einheit Ausdauertraining.

Also hast du als Bodybuilder keine Angst vor Cardio?

Ja, das hätte ich vor einigen Jahren auch noch nicht gedacht. Aber es geht natürlich nicht nur um Muskelaufbau, sondern auch um die Gesundheit. Diese sollte über allem stehen. Und dann braucht es natürlich ein ausreichend dosiertes Ausdauertraining.

Das Gerät meiner Wahl ist auf jeden Fall der Crosstrainer. 35 Minuten davon jeweils fünf Minuten Low-Intensity, mit anschließend 90 Sekunden High-Intensity - also Vollgas.

Wie sieht das Krafttraining aus?

Beim Krafttraining mache ich zwischen 8 bis 10 Übungen.
Zehn Übungen sind dabei aber die absolute Obergrenze. Irgendwann wird dann einfach die Gesamtbelastung der Muskulatur und vor allem die des Nervensystems zu groß. Das sind dann so ungefähr 1h45min bis 2h. Dazu kommt noch das Aufwärmen, das Cool-down und Mobility. Das klingt natürlich nach echt viel. Allerdings hebe ich ja nicht die volle Zeit über irgendwelche Gewichte.


Gerade bei komplexen Übungen wie den Kniebeugen habe ich oft auch einfach 4 Minuten Pause zwischen den Sätzen. Auch zwischen den Übungen liegen gerne mal 10 Minuten, da ich eben Wert auf genügend Aufwärmsätze lege. Und so summiert sich das Ganze eben.

Aber dein Training verändert sich auch?

Periodisierung ist natürlich maßgeblich für den langfristigen Erfolg. Eines der grundlegenden Trainingsprinzipien ist ja das optimale Verhältnis zwischen Belastung und Erholung. Genau deswegen muss ein Training auch periodisiert sein.

Bei mir sind es vier Wochen progressiv, d.h. ich versuche immer die Belastung zu steigern. Eine Wiederholung mehr macht es aus. Also nicht unbedingt mehr Gewicht. Wenn ich in einem Training weiß, ich habe eine Wiederholung mehr geschafft, dann hab ich mein Ziel erreicht.

Dementsprechend ist nach vier Wochen aber auch vorbei. Nicht unbedingt muskulär, aber mein Nervensystem ist dann am Ende. Die Motivation lässt nach, ich schlafe schlechter, usw. Also mache ich dann 1-2 Wochen Deload, also Reduktionsphase.


Das sieht bei mir meistens so aus, dass ich  5-7 Tage gar nicht ins Gym gehe, einfach komplett regeneriere, mich erhole und die Zeit anderen Dingen widme, zu denen ich sonst nicht so komme. Dann gilt es mit 50-70% der Intensität langsam wieder ins Training zu kommen und sich dann wieder zu steigern.
Periodisierung ist auf jeden Fall ein essentieller Teil einer richtigen Systematik.

 

Was sind noch die Erfolgsfaktoren einer guten Systematik? Hast du „geheime“ Trainingstipps?

Was mein Training auf jeden Fall auf das nächste Level gebracht hat, war der Fokus auf die drei Grundprinzipien:


  • Zum Ersten:  die Time-Under-Tension (TUT), also die Zeit in der ein Muskel unter Spannung steht. Das heißt langsame, kontrollierte Bewegungsausführung, volle Kontrolle über die Gewichte zu jedem Zeitpunkt, den Muskel bewusst spüren und durch dieses langsame arbeiten eben eine größere Spannungszeit erzeugen.
  • Dazu muss als zweites natürlich die Intensität stimmen. Meistens so, dass ich noch 1 - 2 Wiederholungen machen könnte, nach einem Satz.
  • Das dritte Prinzip ist eben die Progression: Immer steigern!

Ich sehe zum Großteil Leute, die einfach nur im Gym sind, hier auch regelmäßig und diszipliniert bei der Sache sind. Die bewegen zwar ihre Gewichte, aber machen halt nichts, was Muskelaufbau verursacht. Das ist halt echt traurig, wenn du dir überlegst, mit derselben Zeit die du da bist, müsstest du nur 1-2 Sachen verändern und würdest direkt viel effektiver arbeiten.

 

Du scheinst ja auf jeden Fall Erfolg mit deinem Fokus auf die Basics zu haben.

Ja, jetzt ziemlich genau vor einem Monat war ich auf meinen zwei Wettkämpfen. Der deutschen Meisterschaft der GNBF [German Natural Bodybuilding and Fitness Federation] und der International Open Championship der WNBF Germany [World Natural Bodybuilding Federation], also den einzigen beiden Naturalverbänden, die es in Deutschland zu finden gibt. Dort konnte ich dann jeweils den 4. und den 2. Platz holen. Ich bin super glücklich darüber. Alles hat so geklappt, wie ich das wollte. Gerade vom ersten auf den zweiten Wettkampf konnte ich mich verbessern.

Meinen aller ersten Wettkampf hatte ich 2016. Dann habe ich zwei Jahre Pause gemacht, um Muskeln aufzubauen, bevor es wieder in die Wettkampfdiät ging. Dadurch, dass ich aber meine Systematik umgestellt, mir weiterhin pausenlos Fachwissen angeeignet habe und Praxiserfahrung auch als Trainer gesammelt habe - was ich selbst als völlig unrealistisch eingeschätzt hätte - habe ich tatsächlich in circa einem Jahr und 7 Monaten noch einmal zwischen 4 und 5 kg Muskelmasse aufbauen können. [Zur Einordnung die aktuellen Maße: 1,73 m, ~ 69 kilo]

Wie lange betreibst du deinen Sport schon?

Ich gehe seit ca. 10 Jahren schon ins Fitnessstudio. Die ersten Jahre war das allerdings eher Fitnesssport. Ich war zwar immer diszipliniert und habe kein Training ausfallen lassen, aber erst so nach 6 Jahren habe ich gedacht: Da muss doch mehr gehen.


So im Sommer 2015 kam dann der Übergang von planlosem, Bro-Science Fitnesstraining zum Natural Bodybuilding, wo eben dann alles für mich gestimmt hat: Trainigssystematik, Ernährung und Regeneration.
Dann ging es mit dem Fortschritt so schnell bergauf, wie in den Letzen 6 Jahren nicht.

Nach soviel Training, gibt es immer noch Zugewinn für dich?

Ja das Fine Tuning macht es. Du lernst nie aus. Du lernst immer noch weiter dazu. Auch von Wettkampf zu Wettkampf und von Monat zu Monat. Dann liest du hier noch ein Buch und hast da noch jemanden den du fragen kannst und das sind dann halt die Kleinigkeiten die dich weiterbringen.

Wo genau bekommst du denn dieses Wissen her? Hast du Tipps?

Es kommt natürlich darauf an, wie sehr du in die Tiefe gehen willst.
Willst du alles auf Zellebene wissen oder nur ein bisschen vertieftes Wissen haben. Ich finde einen guten Einstieg bietet heutzutage YouTube.
Man muss nur wissen wo man gucken muss, um gute Qualität zu bekommen.

Gerade das ist für Anfänger natürlich eher schwierig herauszufinden, wer verlässlich ist, welche YouTuber entsprechendes Fachwissen haben und ob deren Aussagen evidenzbasiert, also wissenschaftlich gesichert sind. 

Außer deinem Channel natürlich, wo du ja auch Videos zu Trainingslehre/ Übungstechnik hast, hast du einen Tipp was solche Channel sind?

Auf deutscher Ebene bin ich nicht besonders viel unterwegs. Smartgains hat ein klasse Fachwissen und vermittelt die Dinge schon sehr gut finde ich.

Aber einer meiner Favorite YouTuber überhaupt, auch im Fitness-Bereich, international ist Jeff Nippard. Er macht halt super geile Science-based Videos und bricht komplexe Dinge einfach herunter. Vor allem auch kompakt.


In einem 15 Minuten Video hast du dann wirklich gute, fachliche Einblicke in die Tiefe und das ganze nachprüfbar und studienbasiert. Da hole auch ich mir immer noch Fachwissen raus. Kann ich ganz klar empfehlen!

Ok.  Also Youtube für den Einstieg. Und wenn man es doch etwas genauer wissen will?

Bücher!!! Für manche Fachbücher braucht es schon ein gewisses Vorwissen, aber klar kann man alles Nachschauen, Nachgoogeln. Was auf jeden Fall eines meiner absoluten Favorites aller Bücher ist, ist: „Muskelrevolution“ von Marco Toigo. 
Hört sich banal an und auch das Cover lässt nicht auf die Qualität des Inhaltes schließen.

Dann ist „Differenziertes Krafttraining“ von Axel Gottlob noch ziemlich gut.

Wenn es um Langhantel Training geht, um die Technik zu perfektionieren: Ganz klar natürlich: „Starting Strength“ von Mark Rippetoe.

Aber das sind, wie gesagt, keine Illustrierten, sondern echte Fachbücher, wenn man wissen will, wie die Prozesse genau ablaufen und was Krafttraining eben so erfordert.


Was sonst natürlich das Beste wäre, ist natürlich Studien zu lesen. Denn die Sachlage verändert sich ständig. Wenn du schaust was vor 10 Jahren war - da sah vieles noch völlig anders aus.
Es gilt wirklich „Wissen ist Macht“ vor allem: „Angewandtes Wissen ist Macht“.

Ok. Vielen Dank bis hierhin. Mehr davon gibt es im Zweiten Teil zum Thema „Ernährung“ und im dritten Teil zum Thema “persönliches Wachstum/Motivation“. Am besten auf facebook und Instagram abbonieren und nichts mehr verpassen :D

 

Links zu den Ressourcen

Youtube:

nocheinmal: Eric Weidman

SmartGains

Jeff Nippard

 

Bücher:

Muskelrevolution

Differenziertes Krafttraining

Starting Strength

 

Apps:

Zero (AppStore)

MyFitnessPal (App Store)

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Das Turtok für die äußerst professonelle Collage stammt von DarkEmu.

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